Archive for Oktober, 2010
vergangenen montag, zur 50. montagsdemo gegen s21, habe ich es mir nicht nehmen lassen das erstemal dabei zu sein.urban priol und georg schramm traten auf. frau h. und ich trafen uns wie die letzten beiden samstage und nahmen wie selbstverständlich teil. ich bin immer wieder fasziniert, mit wieviel herzblut und engagement die menschen hier woche für woche stehen und ihren unmut zeigen. wie einfallsreich die transparente und plakate sind, die sie ziemlich zahlreich präsentieren. an dieser stelle möchte ich mal erklären, warum ich mich seit kurzem an diesen protesten beteilige. ich hab sehr spät von s21 erfahren, das erste mal vor ca. 2-3 jahren bei der letzten wahl im ländle. da war die grünen-quote so hoch in stuttgart, wie noch nie. offensichtlich weil die grünen versprachen, den bau von s21 zu verhindern. da wußte ich noch gar nicht was s21 ist.
ich war erst zugezogen und kannte das thema nicht. nun, im sommer dieses jahres wurden die stimmen dagegen mehr und auch lauter, der baubeginn stand nämlich vor der tür. ich befasste mich ab da nur oberflächlich mit der thematik, mein resümee war damals, da will die regierung einen megabahnhof bauen, und die bürger sind dagegen. der protest wurde immer lauter und irgendwann stellte ich mir die selben fragen wie die meisten anderen menschen. warum schaltet sich die bevölkerung erst jetzt ein, wo es zu spät scheint? und dann kam der schwarze donnerstag, der 30.09. der in stuttgart für entsetzen und empörung sorgte. wasserwerfer, knüppel und pfefferspray gegen friedliche demonstranten, gegen junge und alte menschen. ich war so wütend und ab da begann ich zu lesen, zu recherchieren. das hat mir die augen geöffnet.
der stuttgarter wurde nie wirklich gefragt, ob er diesen megabahnhof haben will, im gegenteil, unterschriftenaktionen mit über 60000 unterschiften wurden einfach ignoriert. das projekt im stillen kämmerlein beschlossen und besiegelt. zahlen wurden manipuliert, schön gerechnet. das projekt ist nicht zuende gedacht, teile der planung wurden einfach aus den plänen rausgerechnet und die kosten künstlich neidrig zu halten. ein zugesagter volksentscheid, sollten die kosten explodieren, wurde einfach unter den tisch gekehrt. und und und… und dann kam der tali-bahn-tag oder auch der schwarze mappusconi donnerstag genannt. und dann war es vorbei bei mir, mit der haltung, ist zwar scheisse aber ich kann eh nix machen. seit dem steh ich auf der straße mit all den anderen und tue kund, daß ich in einer echten demokratie leben möchte und ein recht auf freie meinungsäußerung habe. daß ich und all die anderen das volk sind, welche unsere politiker gewählt haben, damit sie unsere interessen vertreten.
ich weiß heute daß s21 kein bahnprojekt ist, das war es nie. es ist ein prestigeobjekt, ein immobilienprojekt allenfalls, mit der sich öttinger, mappus und grube ein denkmal schaffen und der bevölkerung ein milliardenloch zu stopfen hinterlassen, in dem bei vergleich von kosten und nutzen man nur die hände davon lassen kann. ich möchte mit meiner beteiligung an diesen demonstrationen, meiner stimme ein gesicht geben, welches sagt: verkauft uns nicht für blöd, wir haben euer spiel durchschaut: unser kreuzchen ist euch lieb, doch unsere interessen egal. es ist nie zu spät endlich mit fainess neu zu verhandeln, endlich abstimmen und alternativen beleuchten. die schlichtungsgespräche sind ein erster gehversuch in die richtige richtung - leider mit einem faden beigeschmack. denn es wird während dessen einfach weitergebaut….
heute bei herrlichem sonnenschein wurde wieder demonstriert, an der nordseite des bahnhofs fand die demo statt. meine zweite. der platz reichte bei weitem nicht, die straßen mußten gesperrt werden - ich stand auf der straße und hörte mit vielen anderen zu. die stimmung war positiv und friedlich, jung und alt standen da und lauschten. es waren tausende,
viele taten ihre meinung kund, mit einfallsreichen plakaten, kritischen transparenten und mit allem bewaffnet, das lärm macht. trillerpfeifen, topfdeckel und kochlöffel, vuvuselas, horn und megafon. als die kundgebung vorbei war setzte sich die masse in bewegung - die straße entlang des bahnhofs war brechend voll. “mappus weg - mappus weg” riefen alle, trillerpfeifen schrillten in massen und “lügenpack” war immer wieder zu hören. aber sie lächelten und alles war friedlich. irgendwann bemerkten wir daß die polizei offensichtlich den demonstrationszug geteilt hatte. denn da, wo vorher noch eine riesige menschen masse hinter uns war - frau k. und ich befanden uns etwa in der mitte der demo - dar plötzlich nichts mehr. passanten sagten
uns, die polizei hätte den zug halbiert und die eine hälfte wäre nach rechts stadtauswärts und die andere hälfte richtung landtag gegangen. wir entschlossen zur umkehr und liefen gemütlich zurück. wir unterhielten uns und diskutierten und als wir am landtag ankamen und den schlossgarten überquerten und dort keine größeren ansammlungen mehr von unseren mitdemonstranten
antrafen, beschlossen wir zur gegendemo zu gehen und uns die kundgebung dort mal anzuhören. auf dem schlossplatz bei den proaktivisten war deutlich weniger los als bei uns, letzten samstag. zwischen den menschen sahen wir immer wieder die grünen ballons der s21 gegner, also trauten wir uns durch. die stimmung war düster, angespannt und der
redner preschte seine polemik unter die leute. als er sich dann auch noch über die gegner lustig machte und provokante äußerungen schmetterte, daß die entscheidung zu s21 eine demokratisch abgestimmte sache sei, brach es aus uns heraus. wir schwangen die trillerpfeifen und pfeifften unsere unmut darüber heraus. so schnell konnten wir gar nicht kucken drohten uns erwachsene männer mit erhobenen finger, beschimpften uns auf übelster art und packten und sogar am ärmel.
wir weisten sie in ihre schranken zurück und schauten daß wir heil durch diese angeheizte menge kamen an eine ruhigere stelle, wo wir der kundgebung weiter fassungslos zuhörten. die stimmung die dort erzeugt wurde war keine gute - wie aufgehetzt und aggressiv enpfanden wir die stimmung. immer wieder schlugen uns anfeindungen, provokante äußerungen und beleidigungen entgegen. das lag vielleicht daran weil wir erhobenen hauptes da standen und einfach nur zuhörten, man konnte ja deutlich an den stickern und aufklebern sehen, daß wir zu den gegner gehören. und als der redner zu guter letzt noch sagte, er sei überzeugt daß zum zeitpunkt der baumfällarbeiten im park keine juchtenkäfer zu schaden gekommen seien, weil die schon vorher von den parkschützern totgetrampelt worden seien, war bei mir das maß voll. wir gingen. sehr schwache vorstellung. auch das verhalten der menschen fand ich erschreckend, ärmelzerrend, schimpfend, provozierend - auch später in der sbahn. richtig schwache vorstellung. nennt man das meinungsfreiheit und gesprächsbereitschaft?
… und rechtzeitig zum nasskalten grauen wochenende, hängt der wandkamin, den ich vom letzten besuch bei freundin c. mitgebracht hatte. schön schaut’s aus, an der extra dafür hochglanzgrau gestrichenen wand, in unserem neuen wohnzimmer. wie aus der schöner wohnen zeitschrift.
und eine angenehme wärme erzeugt er auch - ruckzuck stieg die temperatur im raum um 3 grad auf mollige 24 grad. danke freundin c. fürs vermachen.
gestern war meine persönliche premiere in sachen aktives engagieren gegen s21. großdemo auf dem schlossplatz in stuttgart mit konstantin wecker. es war kalt und nass, aber wir waren 15.000 die sich vom schlechten wetter nicht abhalten ließen, unseren unmut zu zeigen und den zivilen ungehorsam zu zelebrieren. für mich eine beeindruckende szenerie, jung und alt, arm und reich seite an seite mit dem ziel der obrigkeit zu zeigen, mit uns nicht! beeindruckend auch wieviele städte solidaritäts-demos organisieren und die gegner-gemeinde unterstützen. mittlerweile ist klar - mit einer mehrheit von 133 zu 130 stimmen wurde einem untersuchungsausschuß zu den geschehnissen am 30.09. zugestimmt. tschacka! hier meine eindrücke:
… treibt uns an. die letzten wochen sind vergangen wie im flug. mittlerweile liegt das drama mit den exnachbarn gefühlt, ganz weit weg. die neue umgebung trägt ihren entspannten teil dazu bei, der wohlfühlfaktor läßt gras über den mentalen stress wachsen, der mir vor kurzem noch unruhige nächte bescherte. mittlerweile rückt das projekt urlaub immer näher. mit dem visum in der tasche, gehts die tage an die grobplanung. noch wenige wochen - und dann geht das abenteuer asien los. daraus wächst tatsächlich noch eine menge restenergie, die mich beflügelt über die letzten wochen des jahres tragen wird, allen herbstlichen boten zum trotz. in der zwischenzeit entledigte ich mich endlich einem zeitfresser, der sich ganz harmlos und unscheinbar in mein leben einschlich und sich dort festsetzte und wucherte - ich habe es aber dann doch erkannt und das verflixte onlinespiel aufgegeben. es fraß ein loch in die zeit - täglich ein bißchen mehr. und was noch viel schlimmer war - es bemächtigte sich meiner freizeit und breitete sich darin aus wie ein geschwür.ich fühle mich seither wie befreit und möchte was sinnvolles tun. ich hab da auch schon was im auge. ich sag nur …revolution my dear!










